jungen Mann, wie Eduard, nicht ſo grauſam war, als ſie es ſcheinen wollte. Hätte dießer Erkundigun⸗ gen über die junge Wittwe eingezogen, ſo würde er erfahren haben, daß ihr Ruf mehr als zweideutig ſei, daß ſie mit einem reichen Ruſſen, einem dicken Baron, einem Lieferanten und einem Shawlverkäufer in vertrautem Umgange geſtanden, daß ihr Haus der Sammelplatz der Wüſtlinge, Intriguants und Spie⸗ ler ſei, und daß man endlich auf dem Kriegsminiſterio einen General, Namens Geran, nie gekannt habe.
Von dem allem wußte Eduard nichts; er glaubte eine Dame kennen gelernt zu haben, die ſich ihm in der Kraftfülle gegenſeitiger Sympathie ergebe: er frohlockte über einen Triumph, den zwanzig Andere vor ihm errungen hatten, und fand ihre Reize der ſeiner Frau aus dem Grunde bei weitem überlegen, weil eine neue Eroberung immer eine zartere Haut, einen ſchöneren Buſen, einen niedlicheren Fuß hat, als die eigene Frau, was freilich oft nicht wahr iſt, worüber ſich die armen Frauen aber bei den Kennern⸗ bisweilen zu rächen wiſſen.
Eduard brachte alſo den Tag damit zu, die zarte Haut, den ſchönen Buſen und den niedlichen Fuß der Frau von Geran zu bewundern, und dieſe ließ es geſchehen, weil ſie, wie ſie ihm geſtand, der Gewalt ſeiner Liebe und der Sprache ihres Herzens nicht widerſtehen könne. Bei ſolchen Beſchäftigungen ver⸗ geht die Zeit raſch; er hatte ſein Haus, ſeine Ge⸗ ſchäfte völlig vergeſſen, und erinnerte ſich nicht eher daran, als am Abend bei der Ankunft von einem


