111 Geräuſch, aber nur dann und wann ſtört das Rollen
einiger Wagen die Ruhe der Nacht; jedesmal, wenn
ſie etwas hört, klopft ihr Herz gewaltig... das iſt mein Mann... ja... er iſts... der Wagen kommt näher, aber er fährt vorüber, ohne anzuhalten.
Viele Stunden ſind ſo vergangen. Die Kälte der Nacht, die Ermattung vom Wachen umſchleiern Ade⸗ linens Sinne. Trotz ihres Wunſches, Eduard zu er⸗ warten, fühlt ſie, daß ſie dem überwältigenden Schlaf nicht länger widerſtehen kann und entſchließt ſich end⸗ lich, ſich niederzulegen, aber auf den Tiſch vor ihrem Bette legt ſie den Brief der Madame Dolban; ſie will ihn nahe bei ſich haben, um ihn ſogleich ihrem Gemahl zeigen zu können. Von dieſen koſtbcten Zeilen erwartet ſie ja ihre Ruhe, ihr Glück.
Sie zündet die Nachtlampe an, die jede Nacht ihr Schlafzimmer erhellt und legt ſich endlich, obgleich ungern, nieder; aber es iſt ihr ganz unmöglich, länger wach zu bleiben, die Müdigkeit ſiegt über die Unruhe, die Augenlieder ſchließen ſich und ſie ſchläft feſt ein.
Eine Stunde etwa mag Adeline geſchlafen haben, als ein ziemlich lautes, durch den Fall eines Stuhls veranlaßtes Geräuſch ſie plötzlich erweckt; ſie öffnet die Augen, kann aber nichts erkennen, die Lampe iſt ausgelöſcht; ſie macht eine Bewegung, um aufzu⸗ ſtehen, aber ein Arm umfängt ihren Leib, hält ſie zurück und verſchließt ihren Mund mit Küſſen. Ade⸗ line weiß, daß Niemand als ihr Mann den Schlüſſel zu ihrem Schlafzimmer hat, kein Anderer kann bis zu ihr dringen es iſt alſo Eduard, der vor ihr ſteht.


