Teil eines Werkes 
2. Th. (1843)
Entstehung
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noch ſanfter, ihr Gang noch graziöſer; ſie iſt wun⸗ derlieblich mit ihrem Kinde auf ihrem Arme; ein anderer als Murville würde ſie jetzt noch weit ſchöner finden, aber ein Ehemann macht ſelten ſolche Beobach⸗ tungen, ja er glaubt oft das Gegentheil. Zu ſeinem Nachtheil bemerken dann oft Andere die Schönheit

ſeiner Frau, bewundern, was er nicht erkennt, loben,

was er aufgehört hat zu loben, und entbrennen für das, was er vernachläſſigt; daran denken die Herrn Ehemänner nicht, machen ſich deßhalb nur wenig Sorgen darüber, und eben deßhalb wird ihnen oft⸗ mals ſo hart mitgeſpielt.

Ein Mann ſah Alles, worauf Eduard nicht mehr

achtete; er verfolgte Adeline mit den Augen, ohne daß ſie es bemerkte; er bewunderte ihre Reize, er⸗ rieth die, die er nicht ſah, und verſchlang mit ſeinen

Blicken alles, was er nicht ſehen konnte. Eine hef⸗

tige Leidenſchaft beherrſchte ihn und er harrte nur Hauf den günſtigen Augenblick, ihr freien Spielraum zu laſſen. Er hatte zwar wenig Hoffnung, wieder geliebt zu werden, das wußte er wohl. Adeline war die Tugend ſelbſt; ſie lebte nur für ihren Ge⸗ mahl und ihr Kind, aber der leidenſchaftlich Liebende kennt kein Hinderniß... nichts kann den ungeſtümen

Strom aufhalten, den das Ungewitter nur noch dro⸗

hender macht, nichts ſeine Liebe zurückſchrecken; wenn

man zügelloſe Wünſche, tollkühne Begierden, die ſeit

lange her ſein Herz ſchon erfüllen, ſo nennen darf.

Er iſt entſchloſſen, alles zu verſuchen, alles zu unter⸗ nehmen und zu wagen, um Adeline zu beſitzen; ſeine