Anmuth ohne Affektatior ſcheidenheit ohne Blödig⸗ keit. Sie weiß ſehr wohl, daß ſie gefällt, verlangt aber darum nicht, daß alle Männer ihr huldigen ſollen; ſie liebt das Vergnügen, findet aber nicht ihre einzige Beſchäftigung darin. Kurz, ſie iſt für alle Männer, zumal für unverheirathete, eine höchſt inter⸗ eſſante Erſcheinung.
Adeline liebt Eduard, und hat ihn mmehrern weit vortheilhafteren Partien vorgezogen; denn er hat nichts als ſeine Regierungsanſtellung, während Adeline etwa 15,000 Franken Renten beſitzt; aber Adeline iſt nicht ehrgeizig; ſie ſucht ihr Glück in den Genüſſen des Geiſtes und nicht im Gelde. Mit 15,000 Franken Renten kann man überdies mit einem ordnungslie⸗ benden Mann, der zu wirthſchaften verſteht, recht angenehm leben, und Murville ſoll ein ſolcher Mann und mit den herrlichſten Eigenſchaften ausgeſtattet ſein; kurz, er gefällt ihr.
Fräulein Germeuil hatte bloß noch eine Mutter, eine ſehr achtbare Frau, die ihre Tochter zum An⸗ beten liebt und ihrer Neigung nicht entgegen iſt. Sie wacht über Adelinens künftiges Wohl, und ſobald ſie die Liebe ihrer Tochter für Murville bemerkte, zog ſie Erkundigungen über die Moralität deſſelben und ſeiner Familie ein.
Sie erfuhr, daß er aus guter Familie abſtamme, ſein Vater ein ſehr verdienter Juriſt geweſen ſei, je⸗ doch durch einige Bankerotte faſt Alles, mit Ausnahme des Nothwendigſten, verloren habe. Eduard und Jakob waren ſeine einzigen Kinder. Jakob war nur um


