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jeden Morgen und jeden Abend bei ſeiner Geliebten zubrachte. Man hatte ſich ſo ſehr daran gewöhnt, daß wenn er zu ſeiner gewöhnlichen Stunde bei Madame Reinhard nicht erſchien, er ſeine Pauline in Unruhe fand, wie ſie, traurig durch das Fenſter blickend, ſeiner harrte. Heinrich ſchwamm in Selig⸗ keit, von ſeiner Freundin war er geliebt; Pauline verſuchte nicht mehr, ihm ihre Liebe zu verbergen, und wenn ſie es auch gewollt hätte, würde nicht jedes Wort, jede Bewegung verruthen haben, was in ihrem Herzen vorging? Madame Reinhard ſelbſt behandelte Heinrich wie ihren Sohn und fühlte die zärtlichſte Freundſchaft für ihn. Aber auch er war nicht mehr jener ungeſtüme, aufbrauſende Jüngling, jener Leichtſinn, Spieler und Sauſewind; ſeine Liebe für Pauline hatte alle ſeine Gefühle verändert, denn eine tugendhafte Leidenſchaft allein vermag alle anderen Leidenſchaften zu bezähmen. Doch nicht lange, ſo gewahrte er, daß ſeine
Pauline an irgend einem geheimen Grame leide;
Madame Reinhard ſelbſt ſchien oft traurig und nachdenklich. Heinrich ſah mit Schmerz, wie die Geſundheit dieſer guten Dame von Tag zu Tag mehr dahinſchwand. Er erblickte für ſeine Pauline tauſend Gefahren, tauſend Verlegenheiten, wenn ihre Pflegmutter ſtarb. Vergebens drang er in ſeine Geliebte, ihm ihren Kummer zu geſtehen, ihre Sorgen und Unruhe anzuvertrauen; ſtets ver⸗ mied ſie es, eine Frage zu berühren, welche ihren Schmerz zu vermehren ſchien.


