18
die gute Dame beim Feuer ſitzen. Heinrich ward durch die Veränderung, welche die Krankheit bei ihr hervorgebracht, ſehr betroffen; die Bläſſe ihres Geſichts und ihre beinahe erloſchene Stimme ließen ihn fürchten, ſie möchte nicht mehr lange zu leben haben; allein er hütete ſich wohl, ſeiner Pauline Gedanken mitzutheilen, welche ihren Kummer nur verdoppeln konnten.
Madame Reinhard empfing Heinrich aufs Schmeichelhafteſte und voll Freude, ihn wiederzu⸗ ſehen. Das Frühſtück war ziemlich heiter; Heinrich war bei ſeiner Pauline; was bedurfte er weiter zu ſeinem Glück? Wenn zufällig ſein Fuß den ihrigen
berührte, ſeine Hand auf der ihrigen ruhte, und er in ihren Augen die Verwirrung leſen konnte, die ſie empfand, o! dann hätte er gegen alle Schätze der Welt die Wonne, bei ſeiner Geliebten zu ſein, nicht vertauſcht! Leicht erlangte er von Madame Reinhard die Erlaubniß, zuweilen ihre Einſamkeit zu theilen: zuweilen! das hieß täglich; unſere Liebenden wenigſtens verſtanden es ſo. Pauline geſtand Heinrich, daß ſie ſeit ſeiner Abwefenheit die Muſik ſehr vernachläßigt habe, er verſprach ihr, noch am Abend eine Sammlung der neueſten und ſchönſten Stücke zu überbringen; Pauline drückte ihm ſanft die Hand; Madame Reinhard dankte ihm zum Voraus für die Freude, die er ihrer geliebten Tochter bereiten wollte, und Hein⸗ rich ging, um ſein Verſprechen zu erfüllen.
Ein Monat verfloß, waͤhrend deſſen unſer Held


