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Noirmonts Brief. Ehe er jedoch begann, mußte er ſich einen Augenblick ſammeln, denn er war ſo heftig ergriffen, daß er kaum die Schriftzuͤge unterſcheiden konnte; endlich fuͤhlte er ſich etwas ruhiger und las: 4
„Mein Herr!
„Als Sie mich, Ihrer Schwuͤre ſpottend, neben der Wiege meines Kindes einen Fehltritt beweinen ließen, ohne ihn wieder gut machen zu wollen, ſchwur⸗ ich, daß Sie niemals meine Tochter kennen lernen ſollten.... und uͤberließ ſofort, ich muß es geſtehen, dieſes Kind, da ich es mit in den Haß hineinzog, den ich von da an gegen meinen Verfuͤhrer hegte, den Landleuten, deren Pflege ich es anvertraut hatte, mit dem feſten Vorſatz, es nie wieder zu ſehen. Spaͤter machte mir meine Stel⸗ lung eine Pflicht aus der Feſthaltung dieſes Schwures. Mein Vater, der, dem Himmel ſei Dank, nie von dem
Vergehen ſeiner Tochter unterrichtet wurde, vergab
meine Hand; als Frau, als Mutter und Gattin eines Mannes, der eben ſo ſtreng im Punkte der Ehre, als ſtolz auf ſeinen Ruf war, haͤtte ich durch einen einzigen unbeſonnenen Schritt, der einen Verdacht meines Jugend⸗ fehlers erweckte, ſowohl meiner Tochter, als mein und
Herrn von Noirmonts ungluͤck herbeigefuͤhrt. Ihnen
ſagen, ich ſei gluͤcklich geweſen, hieße Sie taͤuſchen; kann es eine Mutter ſein, die eines ihrer Kinder aus den Armen ſtieß?... Ich machte mir oft Vorwuͤrfe wegen der Liebkoſungen gegen meine Tochter... denn in der Tiefe meiner Seele ſtand, daß ich noch eine an⸗ dere haͤtte, die gleiche Rechte an meine Zaͤrtlichkeit habe
und aus meinen Armen verbannt ſei!... Dieſe
Paul de Kock. VlII.„ 8


