109
ziehen. Aber er fing wieder ein Geſpraͤch mit Louiſen an, und blickte in ihre von Zaͤrtlichkeit und Liebe erfuͤll⸗ ten Augen. Sie tauſchten von Neuem ihre Schwuͤre ewiger Liebe aus und dachten nicht mehr daeen Si trennen.
Mit einem Male hoͤrte man eine benachbarte uhr ſie ſchlug die zweite Stunde nach Mitternacht.
„Mein Goit! es iſt ſehr ſpaͤt,“ ſagte Louiſe,„zwei uUhr Morgens. ich haͤtte es nicht geglaubt!.. mein Freund, ich ſtore Sie in Ihrer Ruhe... wir müſſen uns verlaſſen... jedoch nur bis morgen.“—
„Nun denn,“ verſetzte Cherubim,„ich laſſe Sie ſchlafen, Louiſe.. Gute Nacht.. weil's ſein muß.“
Dabei blickte der junge Mann die Jungfrau zaͤrtlich an und blieb; endlich begann er mit einer gewiſſen Ver⸗ legenheit:
„Louiſe... erlauben Sie mir nicht... ehe ich Sie verlaſſe, Sie zu kuͤſſen... ich habe es, ſeit ich Sie wie⸗ der getroffen, noch nicht gewagt... und doch... haben wir uns auf dem Dorfe oft gekuͤßt.“
Das junge Maͤdchen ſah nicht ein, warum ſie ihrem
Jugendfreund die holde, ſonſt gewaͤhrte Gunſt verweigern.
ſollte, und trar ſtatt aller Antwort auf ihn zu. Cheru⸗ bim flog in ihre Arme und druͤckte ſie an ſein Herz,
aber ſein Kuß war nicht mehr der eines Kindes... 4
Louiſe erkannte ihre Unbeſonnenheit zu ſpaͤt... wie haͤtte ſie auch einer unvorhergeſehenen Gefahr ausweichen kon⸗ nen? und dann ſind manche Fehler ſo ſuͤß zu begehen... und Cherubim ſchwur ſo glaubwuͤrdig, ſie immer zu lie⸗ ben.. Diesmal war er nicht mehr ſchuͤchtern.
zu


