Inzwiſchen brach die Nacht herein; Clementine machte wieder einige Schritte.—„Sie entfernen ſich, mein Fräulein?— Ja, mein Herr, die Nacht kommt und es iſt Zeit, in's Schloß zurückzukeh⸗ ren.— Sie bewohnen das Schloß Froburg 2— Ja, mein Herr.— Wenn das Fräulein mir erlauben wollte, Sie dorthin zu begleiten 2— Nicht nöthig, mein Herr, ich kenne die Wege ſehr gut.“ Damit entſchlüpfte Clementine leichten Schritts und ließ
den jungen Mann allein, deſſen Augen ihr bis zum Saum des Waldes folgten.
Athemlos langte Clementine im Schloß an; zum erſten Male ließ ſie einen ganzen Tag verſtreichen, ohne ihre gute Amme zu beſuchen. Sie vergaß Andere, um nur an die ſo eben ſtattgehabte Be⸗ gegnung zu denken. Umſonſt wollte ſie dieſen unwill⸗ kürlichen Gedanken verjagen, unaufhörlich ſchwebte ihr das Bild des jungen Jägers vor und erfüllte ihre Seele mit noch nie gekannter Unruhe.
Am folgenden Tag begab ſie ſich zur nämlichen Stunde nach Marianens Hütte. Indeß vertiefte ſie ſich, trotz ihres geheimen Wunſches, mit dem Un⸗ bekannten wieder zuſammen zu treffen, nicht in's Gehölz, ſondern ging gerades Wegs zu ihrer Am⸗ me. Nachdem die gute Frau ſie über ihr geſtriges Ausbleiben gezankt hatte, mußte ſie ſich zu ihr ſetzen und ward eingeladen, ihr Mahl, aus Milch und Obſt beſtehend, zu theilen. Doch war Cle⸗ mentine nicht in ihrem gewöhnlichen Zuſtande. Eine geheime Unruhe, ein neues Gefühl bewegten ſie.
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