Teil eines Werkes 
1. Th. (1843)
Entstehung
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Kind und alle ihre Anmuth hatte ſich mit den Jahren erſt vollends entfaltet.

Als der Graf ſie ſeinem Sohne als ſeine künf⸗

tige Gemahlin vorſtellte, hatte Clementine ihr acht⸗ zehntes Jahr erreicht; ſie war reizend, ohne ſchön zu ſein, aber jede ihrer Bewegungen athmete Wonne; ihre großen ſchwarzen Augen drückten das zärtlichſte Schmachten aus und ihr Mund öffnete ſich nur, um bezaubernde Töne, welche eine ſüße Verwirrung in dem Herzen jedes Hörers erregten, vernehmen zu laſſen. Clementinens Charakter ſtrafte die Sanftheit ihrer Blicke nicht Lügen: ſie war mit allen Tu⸗ genden begabt; aber bis zur Uebertreibung gefühl⸗ voll. Dieſe Empfindſamkeit, wenn ſie zu heftig iſt, wird häufig das Unglück der Frauen und reißt ſie oft weiter fort, als ſie ſelbſt eigentlich wollen.

Der Oberſt fühlte beim Anblick Clementinens jenen geheimen Zauber, den die Gegenwart einer

reizenden Frau hervorbringt, und wünſchte ſehn⸗ lichſt, ſie bald ſeine Gattin zu nennen, ohne jedoch jene heftige Leidenſchaft für ſie zu empfinden, welche im Stande iſt, Alles für den Beſitz des geliebten Gegenſtandes aufzuopfern. Der Oberſt Fram⸗ berg, im Lager erzogen, kannte die Liebe nicht, und ſeine barſche Freimüthigkeit war mehr geeig⸗ net einen Freund, als einen Liebhaber aus ihm zu machen; aber ſtolz auf die Wahl ſeines Vaters,

freute er ſich, ſeine Wünſche mit ſeiner Pflicht in

Einklang bringen zu können.