Teil eines Werkes 
3. Th. (1843)
Entstehung
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das erſte Mal, wo Louiſe ſie ſah, brannte ſie vor Be⸗ gierde, ſich nach dem Stande ihrer Geſundheit zu erkun⸗ digen, aber ſie wagte es nicht: der Blick ihrer Gebieterin ſchien ſie zu meiden, und ſie zeigte nicht mehr das fruͤ⸗ here Wohlwollen gegen ſie.

Von nun an ſchalt Frau von Noirmont ſie bei der geringſten Gelegenheit aͤrgerlich und unmuthig aus; gab ihr oft in einer Minute zehnerlei Befehle; das junge Maͤdchen verlor den Kopf, wurde ängſtlich, wußte nicht mehr, was ſie thun ſollte, und Erneſtine blickte ihre Mutter mit erſtaunter, wehmuͤthiger Miene an, als ſie ihre Schuͤtzlingin ſo behandelt ſah.

Zuweilen aber ſchien es, als ob eine außerordentliche Veraͤnderung mit dieſer ſonderbaren Frau vorgegangen waͤre. Wenn Frau von Noirmont Louiſen rauh und heftig behandelt hatte, ſo aͤnderte ſich ihr Antlitz, ihre Augen wurden feucht, folgten allen Bewegungen Loui⸗ ſens, und ſie rief ſie dann mit ſanfter, herzlicher... ſo⸗ gar zaͤrtlicher Stimme zu ſich; das junge Maͤdchen kehrte plotzlich freudig, eifrig zuruͤck... aber ſchon hatte ihre Gebieterin wieder ihr ernſtes Geſicht angenommen und gab ihr einen Wink, ſich zu entfernen, waͤhrend ſie mit abſtoßendem Tone murmelte:

Was wollen Sie 2... ich habe Sie nicht gerufen.

So verfloſſen mehre Wochen. Eines Morgens ſagte Frau von Noirmont, dem Anſcheine nach noch kummer⸗ voller als gewoͤhnlich, zu ihrer Tochter, als dieſe ſie kuͤßte:

Ich bin entſchloſſen, Deine Kammerjungfer nicht zu behalten 3... das junge Maͤdchen taugt zu gar nichts . man muß ſie fortſchicken... und ihr zwei bis drei