laſſen, und verſicherte, daß ihre Unpaͤßlichkeit nur Ruhe verlange.
Aber ſeit dem erſten Augenblick des kraͤnklichen Zu⸗ ſtandes der Frau von Noirmont war ihre Stimmung nicht mehr dieſelbe; ſie ſprach kaum ein Wort; die Gegenwart ihrer Tochter ſchien ihr ſogar zuweilen läͤſtig; ſie antwortete ihr mit Trockenheit und nahm ihre Lieb⸗ koſungen mit Kaͤlte auf. Louiſens Dienſte hatte ſie, ſeit ſie ihr Zimmer huͤtete, unter dem Vorwand, ſie beduͤrfe ihrer nicht, beſtaͤndig verweigert.
Die arme Louiſe war ganz traurig und ſagte zu Erneſtinen:
„Ihre Frau Mutter weist meine Dienſte zuruͤck... und geſtattet nicht, daß ich ihr Zimmer betrete, ach! gnadiges Fraͤulein, ich fuͤrchte, ihr Mißfallen erregt zu haben... ſie iſt vielleicht unwillig, ein Maͤdchen im Hauſe zu haben, deſſen Eltern man nicht kennt.“
Erneſtine bemuͤhte ſich, ſie zu troͤſten und erwiderte:
„Du irrſt Dich... warum ſoll denn die Mutter etwas gegen Dich haben... nein, das Uebelbefinden iſt daran Schuld... ihre Nervenleiden... machen ſie trau⸗ rig... und reizbar... mich ſelbſt ſtoͤßt ſie jetzt, wenn ich ſie kuͤſſe, zuruͤck... und kuͤßt mich nicht wieder... das thut mir auch recht wehe, aber deſſenungeachtet bin ich uͤberzeugt, daß mich die Mutter liebt.“
Bei dieſen Worten zerfloß das liebe Kind in Thraͤ⸗ nen, worein auch Louiſe die ihrigen miſchte, denn ſie wußte ihr keinen andern Troſt zu geben.
Endlich hatte ſich Frau von Noirmont entſchloſ⸗ ſen, ihr Zimmer zu verlaſſen, und kam in den Salon⸗


