Teil eines Werkes 
3. Th. (1843)
Entstehung
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Nichts, gar nichts, gnädiger Herr! Das iſt ſehr ſonderbar; ſind Sie nicht auch mei⸗ ner Anſicht, Madame? 1 Mit dieſen Worten wendete ſich Herr von Noirmont an ſeine Frau, die er waͤhrend dieſer Fragen an Louiſen nicht angeſehen hatte; Erneſtine, der daſſelbe begegnet war, ſtieß einen durchdringenden Schrei aus und jammerte:

O, mein Gott! die Mutter iſt ohnmaͤchtig!

Der Kopf der Frau von Noirmont war auf den Rucken ihres Lehnſtuhls zuruͤckgeſunken; ſie hatte in der That ihre Beſinnung verloren, und die Leichenblaͤſſe ihres Angeſichts verlieh ihrem Zuſtande etwas Erſchreckliches.

Man eilte ihr zu Huͤlfe; Erneſtine war troſtlos und umſchlang ihre Mutter; Louiſe theilte ihren Schmerz, verlor den Kopf, wußte nicht, was ſie thun ſollte, und hoͤrte nicht, was man ihr ſagte. Aber Herr von Noir⸗ mont, der bei kaltem Blute blieb, rief Comtois, brachte mit deſſen Huͤlfe ſeine Gattin auf ihr Zimmer und legte ſie aufs Bett.

Nach einiger Zeit kam Frau von Noirmont wieder zu ſich, aber es lag etwas Finſteres, Unruhiges in ihren Blicken, welches andeutete, daß die Urſsche ihres Uebels noch vorhanden ſei; ſie erhob langſam ihre Augen auf ihren Gatten und ihre Tochter, und als ſie Louiſe bemerkte, die etwas ferner ſtand und die allgemeine Beſorgniß zu theilen ſchien, ſchloß ſie die Augen wieder und ließ ihr Haupt aufs Kiſſen zuruͤckſinken.

Mutter, theure Mutter, wie geht es Dir jetzt? fragte Exneſtine, die Hand ihrer Mutter druͤckend.

Beſſer, mein Kind, beſſer; ich fuͤhle mich wohler.