Teil eines Werkes 
3. Th. (1843)
Entstehung
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130⁰

Laß hoͤren, meine Tochter, mach' ein Ende umd erklaͤre Dich!

Nun, mein Vater, als Louiſe geſtern Abend, um den Thee zu ſerviren, in den Salon kam, fand ſie mich in der Mutter Armen, wie wir uns gerade kuͤß⸗ ten...

Ganz recht, meine Tochter, und dann?

Dann, als ich mich Abends in mein Schlafzim⸗ mer begab und ein Nachthalstuch noͤthig hatte, welches ich nicht finden konnte, ging ich noch zu Louiſen, um ſie zu fragen, wo ſie es hingethan habe. Dort fand ich Louiſe ganz in Thraͤnen; ich ſagte zu ihr: Warum weihiſt Du? Sie antwortete mir nur mit Schluchzen: Ach! mein Fraͤulein, weil, wie ich Sie dieſen Abend in den Armen ihrer Mutter ſah, ich noch lebhafter das Ungluͤck empfand, daß ich niemals von der meinigen umarmt worden und ein verlaſſenes Kind bin.

Ein verlaſſenes Kind!... murmelte Frau von Noirmont, deren Geſicht ploͤtzlich mit außerordentlicher Blaͤſſe uͤberzogen wurde.

Aber, verſetzte Herr von Noirmont,ich meine doch, Comtois habe uns geſagt, die Eltern dieſes jungen Maͤdchens wohnen in der umgegend von Paris... ich erinnere mich gerade nicht mehr, in welchem Dorfe.

Ja, mein Vater, man hatte dies zu Comtois geſagt, als man ihm Louiſe vorſtellte, aber es war eine Luͤge, die ihre Freunde fuͤr nothwendig erachtet hatten. Louiſe fand es fuͤr beſſer, die Wahrheit zu ſagen.

Sie hat recht, aber rufe Deine Kammerjungfer her, Erneſtine, ich will dieſe ganze Geſchichte von ihr