Teil eines Werkes 
3. Th. (1843)
Entstehung
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weiß wohl, daß ich hier, wo Sie ſo guͤtig gegen mich ſind, nicht weinen ſollte!... aber ich konnte mich deſſen nicht erwehren!...

Du haſt alſo irgend einen Grund der Betruͤbniß... Du haͤtteſt ohne Veranlaſſung nicht geweint... Louiſe, ich will wiſſen, warum Du Thraͤnen vergießeſt.

Nun denn, Fraͤulein... als ich Sie dieſen Abend in den Armen Ihrer Frau Mutter ſah, als ich das Bild des Gluͤckes, deſſen Sie ſich erfreuen, vor meinen Augen hatte, fuͤhlte ich das Ungluͤck meiner Lage noch lebhafter... O! Fraͤulein, ich ſage das nicht aus Neid!

. Ich feand den Himmel, der Ihnen dieſes Gluͤck ver⸗ liehen hat... aber ich konnte mich der Thraͤnen nicht enthalten, als ich daran dachte, daß mich meine Mutter nie in ihre Arme geſchloſſen hat... daß ich ſie nie in meine Arme werde ſchließen duͤrfen!

Was ſagſt Du, arme Louiſe... liebt Dich Deine Mutter nicht?

Nicht deßhalb, gnaͤdiges Fraͤulein... Aber hoͤren Sie, ich will Ihnen die Wahrheit ſagen, denn das Luͤgen iſt mir verhaßt... Und ich ſehe auch nicht ein, warum ich ein Geheimniß daraus machen ſollte... Sie werden nicht weniger guͤtig gegen mich ſein, wenn Sie wiſſen, daß ich ein armes, von den Eltern verlaſſenes Maͤdchen bin...

Waͤre es moͤglich?.. Du haſt keine Eltern 2...

Oder kenne ſie wenigſtens nicht, mein Fraͤulein!

Dann erzaͤhlte Louiſe Erneſtinen, wie ſie als Pfleg⸗ kind zu Nicolle gekommen ſei, und wie gutherzig ſich die Landleute ihrer angenommen, ſie behalten und gleich