„— Seit ich weiß, daß Sie dieſe Sachen von Po⸗ terne gekauft haben, wundere ich mich uͤber nichts mehr! .. Kommen Sie immer noch mit Darena zuſammen?“
„Ja wohl,“ entgegnete Cherubim.„Er war im höchſten Grad entruͤſtet uͤber das Betragen ſeines Ge⸗ ſchaͤftsfuͤhrers, und hat mir nachher geſagt, daß er ihn durchgepruͤgelt und aus dem Hauſe gejagt habe.“
Monfreville laͤchelte, nahm Cherubim bei der Hand und ſprach:
„Mein Freund, Sie ſind noch ſehr jung.... und können die Welt noch nicht kennen; dieſe Kenntniß der Welt, welche man, wenn man nicht in der fruͤhen Ju⸗ gend ſchon einen ſtarken Beobachtungsgeiſt beſitzt, nur durch Erfahrung und Gewohnheit erlangt, verurſacht uns mehr Leid als Annehmlichkeit!... denn die Men⸗ ſchen ſind ſelten, was ſie ſcheinen wollen; die Offen⸗ herzigkeit wird in der Geſellſchaft nicht als eine Tugend geſchaͤtzt, ſondern man wuͤrde im Gegentheil den, der ſeine Meinung, auf die Gefahr hin, die Eigenliebe oder die Empfindlichkeit eines Andern zu verletzen, frei her⸗ ausſagte, entweder fuͤr einen Dummkopf oder fuͤr einen Grobian halten; man findet Leute— die nur ſchone Reden und ſchmeichelhafte Worte im Munde fuͤhren— liebens⸗ wuͤrdig und kuͤmmert ſich keineswegs darum, ob ſie auch denken, was ſie ſprechen. Jedes handelt in der Welt, wie es von ſeinen Intereſſen oder Leidenſchaften angetrie⸗ ben wird, und Denjenigen, welche ihre Tugend, Ehre und Redlichkeit am meiſten heraushaͤngen, darf man ge⸗ rade am wenigſten trauen; denn wirklich tugendhafte und rechtſchaffene Leute finden es ganz natuͤrlich, ſo zu ſein,


