Damals war ſie erſt vierundzwanzig Jahre alt; es laͤßt ſich voraus ſetzen, daß ihr Herz wenigſtens eben ſo friſch war, wie im vierundvierzigſten, gewiß iſt aber,
daß ihr Angeſicht friſcher war.
Zu jener Zeit war Amenais ein ziemlich huͤbſches Frauenzimmer; fein, ſchlank, hochgewachſen, ihre ſchwar⸗ zen, hervortretenden Augen ſtrahlten von Geſundheit und Lebhaftigkeit, ihr etwas großer Mund oͤffnnete ſich oft zum Lachen, um zwei Reihen der ſchoͤnſten, tadelloſeſten Zaͤhne ſehen zu laſſen; kurz, obgleich ihre Naſe etwas dick, ihre Stirne etwas niedrig und ihre Farbe etwas braun war, bonnte Fraͤulein Dufoureau doch fuͤr eine aͤußerſt angenehme Perſon gelten.
Herr von Grandvilain, der zu jener Zeit neunund⸗ vierzig Jahre zaͤhlte und ſich fuͤr einen jungen Mann anſah, weil er die Neigungen und den Charakter eines ſolchen noch immer beibehielt, hatte in den Geſellſchaften Amenais kennen gelernt und ihr die Cour gemacht; aber mit jenem Leichtſinne eines an Eroberungen gewoͤhnten Mannes, jener Sicherheit eines Roués, der nie Grau⸗ ſame gefunden hat; endlich mit jenem Selbſtbewußtſein eines Marquis, der einer kleinen Buͤrgerlichen viel Ehre zu erweiſen meint, wenn er einen Blick auf ſie fallen laͤßt.
Fraͤulein Dufoureau war in der That nur von ein⸗ fachem Buͤrgerſtande; ihre Eltern, ehrliche Handelsleute, waren geſtorben und hatten ihr fuͤnfzehnhundert Livres Einkuͤnfte und ſehr gute Grundſaͤtze hinterlaſſen.
Die fuͤnfzehnhundert Livres Einkuͤnfte waren freilich ein geringes Beſitzthum; aber im Vereine mit der Tu⸗ gend und Unſchuld dieſes Fraͤuleins bildeten ſie ein Hei⸗


