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vor ihrer Schönheit, vor dem Reiz der Verführung, der über ihren ganzen Anzug, ihre ganze Perſon ver⸗ breitet iſt. Nie war vielleicht Adele ſo reizend, und doch iſt ſie nicht, wie ich ſie in Geſellſchaft geſehen habe, bedeckt mit Geſchmeide, Federn und Blumen; ſie hat nur ein einfaches weißes Kleid mit blauem Gürtel befeſtigt; ihre ſchwarzen Haare ſind auf ihrem Kopf zuſammengewunden ohne irgend einen fremden Schmuck. Aber welche Anmuth liegt in dieſem Kopf⸗ putz, welche Wolluſt in jeder Falte dieſes Kleides! und wenn man jetzt ihren Blicken begegnen, in ihre großen blauen Augen ſehen ſoll, in denen ſich die heißeſten und ſüßeſten Gefühle malen, wie kann man da ruhig und ohne Verwirrung bei ihr bleiben, im einſamen Gemache, wo Alles Liebe zu athmen ſcheint? 4
Glücklicherweiſe gibt es eine Erinnerung, die mei⸗ nen Muth ſtets aufrecht halten, mich vor Gefahr be⸗ wahren wird, deſſen bin ich gewiß, es iſt mir aber nichtsdeſtoweniger leid, daß ich da bin.
Nachdem mich Adele am Fortgehen gehindert hatte, ſank ich auf meinen Stuhl zurück und ſaß hier mit geſenkten Augen, wie ein Verbrecher, der ſein Ur⸗ theil erwartet. So bleiben wir noch lange, ohne ein
Wort zu ſprechen; ich werde das Stillſchweigen nicht
brechen; plötzlich ruft Adele ungeſtüm aus:„Mein Gott!... wie ſeltſam iſt doch das Herz eines Wei⸗ bes!... wie kann es ſich ſo ſehr ändern... Arthur... Sie haben mich errathen... Sie wiſſen, was ich Ihnen zu ſagen habe... aber Sie haben kein Mitleid


