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liegt denn Ihre Freundin ſo mitten in der Straße? was iſt ihr zugeſtoßen?“. „Ach! mein lieber Herr, ſie iſt ohnmächtig ge⸗ worden, das iſt an ſie gekommen, wie ein Donner⸗ ſchlag! Es ſind Nervenanfälle, ſie hat es oft; als⸗ dann verdreht ſie die Augen wie eine Beſeſſene! und nun iſt es ſchon über eine Stunde, daß ſie ſo iſt! Da iſt aber unſre Wohnung, wir wohnen im dritten Stock... es wird bald gethan ſein... Ihre Gemahlin wird ſie im Hausgang erwarten... Gott! meine gute, liebe Freundin! es zerſchneidet mir das Herz, Dich ſo auf dem Pflaſter liegen zu ſehen!“ Alles dies ward mit heiſerer Stimme vorgebracht, mit ſtarker Begleitung von Geberden und Wehklagen. Ich ſtand unentſchloſſen; meine Dame ſchien er⸗ ſtaunt über meine geringe Menſchlichkeit, und ich hätte mich vielleicht entſchieden, die Kranke aufzurichten, als man im zweiten Stocke eines gegenüber liegenden Hauſes ein Fenſter öffnete; ein Mann in baumwolle⸗ ner Nachtmütze erſcheint und fängt an zu rufen: „Hören Sie dieſe Dirnen nicht an, mein Herr, es ſind zwei ſchlechte Weibsbilder, die alle Nacht die nämliche Komödie ſpielen, um Männer zu ſich zu locken und ſie vielleicht mit Hülfe ihrer Liebhaber zu beſtehlen. Morgen werde ich aber den Polizeicom⸗ miſſär des Viertels davon in Kenntniß ſetzen, damit man dem Unfug ein Ende macht.“ Der Nachbar hatte noch nicht geendet, als die vorgebliche Kranke aufgeſtanden war und mit ihrer Helfershelferin ſchrie:„Ha! alter Hund! hal alter


