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vorwärts... unſere Haltung muß etwas Komiſches haben; es gelüſtet uns indeß nicht zu lachen.
Wir kommen näher: ich fange an, die Gegen⸗ ſtände zu unterſcheiden; eine Frau liegt mitten in der Straße auf den Knien, ſie beugt ſich herab zu einer andern Frau, die auf dem Pflaſter ausgeſtreckt iſt und ſich nicht rührt.
„Es ſind zwei Frauen, ſagt meine Unbekannte
zu mir, gehen wir vorwärts!— Ja, es ſind zwei
Frauen, dies iſt aber noch kein Grund, nicht miß⸗ trauiſch zu ſein.. Sehen wir übrigens!“
Die, welche vor der Andern auf den Knien liegt, ſäumt nicht, ihr Lamento wieder zu beginnen.
„Ach! mein Gott!... wie unglücklich bin ich!... und daß kein barmherziger Menſch kommt, der mir hilft, dieſe arme, liebe Freundin in unſer Haus zu tragen!... Ah! da kommt Jemand!... Ach! mein Herr, ich bitte Sie, helfen Sie mir ein wenig meine Freundin, die ihr Bewußtſein verloren hat, in mein Haus zurückbringen, gerade da gegenüber!...“—
An mich wendete man ſich. Wir waren ganz nahe bei den beiden Frauen angekommen; ich be⸗ trachtete ſie aufmerkſam, und die Unterſuchung war nicht zu ihrem Vortheil. Der Anzug, der Ton, die Stimme, Alles war ſehr verdächtig. Ich blickte bald die auf dem Boden ausgeſtreckte Frau, bald einen kleinen, ganz finſtern Eingang uns gegenüber an, während mir meine Gefährtin ins Ohr raunt:„Hel⸗ fen Sie ihr doch das arme Weib wegtragen!“ „Aber, ſagte ich zu der Wehklagenden, warum


