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ſchreiben... und ſie wird glauben, ich bediene mich eines Vorwandes, weil ich ſie weniger ſehen wolle, weil ich aufgehört habe, ſie zu lieben; mein Gott! wie alſo es machen? Ach! warum habe ich den Reizen dieſer Frau nachgegeben! Man hat wohl Recht, wenn man ſagt: ein zar⸗ tes Verhältniß führt weiter, als man es glaubt! Ich habe indeß oft zarte Verhältniſſe eingegangen, und ſie führten mich nie ſehr weit. Wer hätte aber auch daran gedacht, daß dieſer kleine Oskar der Sohn des Herrn Moncarville ſei? Armes Kind! er läßt ſeine Mutter mit den zwölfhundert Franken, die ſie für ihn einnimmt, leben, und ſie kauft ihm nicht einmal ein Paar Hoſen!
Ich bringe meinen Tag unruhig, qualvoll zu, da ich nicht weiß, wie ich Clementinen benach⸗ richtigen ſoll, und doch entſchloſſen bin, lieber ihren Beſuch zu entbehren, als ſie der Rache Ju⸗ liens auszuſetzen. Endlich kommt eine Erinnerung in mein Gedächtniß: morgen iſt Abendgeſellſchaft bei Herrn von Reveillere, er iſt ein alter Edel⸗ mann, der unter Napoleon Stellen angenommen und das Geſchick hatte, ein koloſſales Vermögen zuſammenzuhäufen, indem er der Freund aller Regierungen wurde; ſeine Cirkel ſind glänzend, zuweilen zu zahlreich. Herr von Reveillére, der mit Jedermann auf gutem Fuße ſtehen wollte, empfängt ohne Unterſchied betittelte Leute und Emporkömmlinge, Künſtler und Kapitaliſten, mit


