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Ich drücke ihre Hände zwiſchen den meinigen, küſſe ihre braunen Augen, die ſo viel Zärtlichkeit und Sanftmuth für mich haben; ich ſtreichle ihre kaſtanienbraunen Haare, die nie herausfordernd ge⸗ putzt ſind, und doch ſtets ſo viel Anmuth haben; ich lege meinen Kopf auf ihre Schulter. Es iſt uns ſo wohl, wenn der Kopf auf den Schultern einer Frau ruht, die wir lieben! man glaubt, man ſchlürfe ihren Athem ein, man mache einen Theil ihrer Perſon aus.
Clementine erzählt mir ihren Berdruß⸗ man beaufſichtigt ſie mehr, als je; man will nicht, daß ſie ausgeht. Ihr Gatte iſt alt und eifer⸗
ſüchtig. Er fühlt keine Liebe für ſeine Frau, er
hat ſie nie gefühlt. Nachdem er ſehr ausſchwei⸗ fend geweſen war, hat er ſich verheirathet, als er fühlte, daß er darauf verzichten müſſe, den Frauen nachzulaufen; d. h. wie er ſchwach und ſiech wurde, nahm er eine Frau, um eine Krankenwärterin zu haben. Statt ſich aber eine Gefährtin ſeines Alters zu wählen, die für ihre Pflege keine Liebe, verlangt hätte, wollte er ſich noch eine junge und ſchöne Frau geben, ohne ſich um das traurige Loos zu bekümmern, das er ihrem Frühling be⸗ reitete. Iſt dieſes Verfahren nicht das eines Egoiſten? und wenn eine Frau entſchuldbar iſt, daß ſie ihrem Herzen nachgegeben hat, iſt ſie es nicht ganz beſonders in ihrer Lage? Aber Herr Moncarville iſt reich und Clementine hatte Nichts.


