Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
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haftigkeit, all' meine Liebe zu Gott und zu Ot⸗ to zu Huͤlfe, um ihn zu troͤſten und ſeinem Schmerz eine andere Richtung zu geben. Wenn dieß aber auch fuͤr den Augenblick gelang, ſo muß ich Dir doch mit Schmerz ſagen, theure Großmutter, daß meine letzte Taͤuſchung auf Erden, welche erbleichte und in den dunkeln Schacht der Wirklichkeit hinabſank, mein hoher Glaube an Otto und das ſchoͤne Bild war, was ich mir von ſeiner Selbſtbeherrſchung, von ſeinem blinden Gehorſam gegen ſeine Pflicht und ſeine Geluͤbde und von der Seelenſtaͤrke, womit er das tragen ſollte, was ich fuͤr ein ihm von einer hoͤhern Macht vorgeſchriebenes Schickſal hielt, gemacht hakte.

Auch dieß war eine bloße Taͤuſchung!!!

Wundere Dich daher nicht, liebe Großmutter, wenn ich mich nach einer Welt ſehne, wo es keine Taͤuſchung giebt und wohin ich von Allem, was ich auf Erden beſaß und ſah, nichts weiter wuͤnſche, als Dich und Melida's reine, unver⸗ fälſchte und doch nie blinde Freundſchaft!

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