21²2
„Nun, ſo beeile Dich! Geh und kaufe Lein⸗ wand und was Du ſonſt brauchſt, aber bleib nicht gar zu lange; ich will einſtweilen bei dem Kinde bleiben!“—
Sie dankte mir herzlich, verſprach bald wie⸗ derzukommen und ging.
Als ſie fort war, beugte ich mich uͤber das Kind und bedeckte das kleine Weſen mit tauſend Kuͤſſen und Thraͤnen. Ich haͤtte alle Schaͤtze der Welt darum gegeben, wenn ich es ohne Schaam, ohne Schande, ohne das Gefuͤhl ei⸗ nes Vergehens haͤtte mein nennen duͤrfen! Laͤchle wie Du willſt, theure Großmutter, zuͤr⸗ nen kannſt Du mir deshalb nicht, denn von die⸗ ſen lichten Raͤumen aus will ich dieſen reinen, unſchuldigen Wunſch vertheidigen!
Waͤhrend ich ſo, ohne zu hoͤren und zu ſe⸗ hen, vor dem kleinen Bettchen kniete, wurde ich ploͤtzlich durch das haſtige Oeffnen der Thuͤr hinter mir aufgeſchreckt und in demſelben Au⸗ genblicke vernahm ich von einer mir zu wohl bekannten Stimme den Ausruf:
„Gerechter Gott!— Ottilie!“—
Und Otto lag zu meinen Fuͤßen und ſein
4⁴


