Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
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Ort und Stelle braͤchte, leicht eine ſehr lange Zeit vergehen koͤnnte. Sie fuͤrchtete alſo keine zuruͤckweiſende Antwort von ihrer Mutter, ob⸗ wohl dieſelbe noch lange ausbleiben konnte.

Meine Thraͤnen floſſen beſtaͤndig waͤhrend Mariens ruhiger Erzaͤhlung. Ich bemerkte, daß ſie nichts von den Vorfaͤllen der letzten Zeit wußte und, als ich ſie fragte, ob ſie waͤhrend dieſer langen Zeit nie ausgegangen waͤre, oder von den Leuten Etwas gehoͤrt haͤtte, antwor⸗ tete ſie mir:

Nein, gutes Fraͤulein! Ich komme nie von meinem Kinde weg. Wenn es wach iſt, kann ich nicht, und wenn es ſchlaͤft, getraue ich mir's nicht, obgleich ich es recht noͤthig haͤt⸗ te, einmal auszugehen, um ein wenig Leinwand und dergleichen einzukaufen, da ich jetzt ſo gute Zeit habe, fuͤr mich oder fuͤr mein Kind zu naͤ⸗ hen.

Von einer unglaublichen, ja, faſt moͤchte ich ſagen, unwiderſtehlichen Neigung erfaßt, das ſchlafende Kind ungeſehen mit meinen Kuͤſ⸗ ſen und Thraͤnen zu uͤberhaͤufen, ſprach ich ſchnell zu Marien: