188
haͤtte handeln ſollen. Aber wenn Du ſo denkſt, dann biſt Du partheiiſch fuͤr mich, fuͤr Deine Freundin. Waͤrſt Du eine Freundin der ar⸗ men Malwina, ſo wuͤrdeſt Du ganz anders ſprechen. Iſt es nicht ſo?“—
„Vielleicht!“— ſprach Melida ſanft.— „Und dem Himmel ſei Lob und Dank, daß Du es biſt, die ſich Otto's gegen mich annimmt, denn ich fuͤrchte, daß ich ein ſchlechter Advo⸗ kat fuͤr ihn ſein wuͤrde.“—
„Eines Advokaten bedarf er bei mir nicht,“ — erwiederte ich Meliden.—„Er hat einen ſolchen in der Tiefe meines Herzens, der nie daraus weichen wird, denn ich bitte Gott flehentlich, daß Otto mir nie durch irgend ei⸗
ne Schwaͤche, durch irgend einen Ausbruch ei⸗
ner unerlaubten Leidenſchaft, durch Liebe, Leicht⸗ ſinn, zu ſpaͤte Reue uͤber gefaßte und ausge⸗ fuͤhrte Entſchluͤſſe, oder durch andere Ueberei⸗
lungen die hohe Idee rauben moͤge, die ich
jetzt von ihm habe, und die mir einzig und allein den Muth aufrecht erhalten kann, nach⸗ dem ich ihn auf ewig verloren habe. Je groͤ⸗ ßier, je edler und je ſtaͤrker er ſich zeigt, deſto


