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ſel gleich an der Thuͤr laͤge. Im Dunkeln ſuchte ich nun den Schluͤſſel und oͤffnete die Thuͤr. Aber wer kann ſich mein Erſtaunen uͤber den Anblick denken, der mir beim Eintritt in dieſes elende Gemach begegnete und den ich— albern und unerfahren genug— nicht geahnt hatte. Oft ſpaͤter wunderte ich mich, daß ich nie auf dieſen Gedanken gefallen war. Marie lag bleich und verfallen auf einem duͤrftigen Bett und neben ihr ein kleines Kind, welches trotz der großen Kaͤlte, die in dieſem duͤſtern, elenden Aufenthalt herrſchte, nur in einige duͤnne Hals⸗
tuͤcher eingewickelt war. Ich war ſtumm vor
Beſorgniß und trauriger Ueberraſchung.
„Mein Gott, arme Marie!“— rief ich end⸗ lich.„Was machſt Du denn?— Was haſt Du denn da fuͤr ein kleines Kind?— Wem gehoͤrt es denn?“—
Meine Frage war wahrhaftig nicht aus gierde gethan, denn es fiel mir nicht im errſärn⸗ teſten ein, daß das Kind Marien zugehoͤren koͤnnte; ſondern vor meiner Phantaſie ſpukten ſogleich verworrene Geſchichten von Findelkin⸗ dern und dergleichen. Marie ſtreckte ihren Arm
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