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zuſammen erzogen worden war. Außerdem hat⸗ te ich— aufrichtig zu geſtehen— ſo Viel in meinem armen Kopf, daß außer Otto nichts darin einen dauernden Platz behielt, weder im Kopfe, noch im Herzen. 1 Es war ein ewiger Gegenſtand des Strei⸗ tes zwiſchen mir und Otto, daß ich ihm un⸗ geachtet aller ſeiner Bitten, Drohungen, Ver⸗ ſprechungen und Verſuche nie erlaubte, in mein Zimmer zu kommen. Ich hatte mir's zum hei⸗ ligen Geſetz gemacht und— wie oft ich auch nahe daran war, meinen Vorſatz zu brechen— ſtets blieb ich ihm treu. Ich hatte mein neu⸗ es Kammermaͤdchen Mina daran gewoͤhnt, daß ſie— gleich wie ich ſtets den Riegel vorſchob, ſobald ſie in mein Zimmer getreten war,— allemal ſogleich die Thuͤr verſchloß, wenn ſie es wieder verließ. Otto wußte daher recht gut, daß jeder Verſuch zum Eindringen verge⸗ bens war; deshalb hoͤrte er endlich auf, jeden Abend an meiner Thuͤr zu ruͤtteln, aber er bat mich um ſo flehentlicher um Einlaß, je hartnaͤckiger ich ihm denſelben verweigerte. Er ſchuͤtzte ſtets vor, daß er mir tauſenderlei Dinge
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