197
Wünſcht Jemand noch mehr zu erfahren von dem muntern, lebensfriſchen, grundehrlichen und redlichen Baron, von ſeiner faulen, tugendfeſten Ehehälfte, ſeinem noch nicht aufgethauten Sohne und ſeiner lieben Corona?
Wir glauben das nicht; wir glauben, daß jeder einen gewiſſen Eckel, ein unbehagliches, beinahe herzzerfreſſendes Gefühl empfindet, wenn er die frohe, freie, ſummende Fliege aus der blauen, friſchen Luft herein kommen ſieht, um ſofort in das feine, unſichtbare Netz der Spinne eingewoben, endlich von den ſchmalen, garſtigen Beinen ihres Tyran⸗ nen umſchlungen und zu allerletzt von demſelben verſpeist zu werden. Hu!!— Dieſer Anblick hat ſchon manchmal eine Thräne des Verdruſſes und Mitleids in ein Auge ge⸗ lockt, aus welchem Millionen verſchiedener Thränen gefloſ⸗ ſen ſind, folglich auch einige unnöthige, das wird zugege⸗ ben, denn was nützen ſolche Thränen? Die Spinnen weben und fangen dennoch, die Fliegen laſſen ſich dennoch ver⸗ locken und eingarnen; die Hauptſache bleibt immer die, daß man ſich in Acht nimmt, ſo daß man weder Spinne noch Fliege wird.
Ein Paar kurze Worte können wir gleichwohl noch
auf Rechnung derjenigen hinzufügen, welche das Endloſe nicht zu faſſen vermögen, welche nicht blos einen Schluß für Alles haben, ſondern dieſen Schluß auch mit eigenen Augen ſehen wollen, wie herzzerreißend er immer ſein mag. Nun gut denn, ſo wißt alſo, ihr Neugierige und nach Un⸗ heimlichem und Grauenhaftem Dürſtende, daß in Agapeti Adern wirklich ſich Blut vorfand, obſchon es bisher gefro⸗ ren geweſen und zuvor aufthauen mußte; daß das Welt⸗ leben, verführeriſche Beiſpiele, bethörende Satansbücher, Muſik und plaſtiſche Kunſt, nicht die reine und heilige, ſondern die hinreißende und berauſchende; daß endlich all dieſes Neue und Erſtaunliche, das zugleich blendete und entzückte, das Blut dieſes Jünglings ſehr bald vom Ge⸗ frier⸗ auf den Kochpunkt hinauftrieb; daß er Alles be⸗ griff und verſtand, von Allem Eindrücke empfing, denn


