Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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ſein Wiſſen, das vorher todt dagelegen, erſtand jetzt und wurde lebendig; daß er mit allen Sinnen genoß und blos einen einzigen klaren Gedanken hatte, nämlich noch mehr, noch mehrz; daß bei Allem, was er von der auf golde⸗ nen Schwingen entflogenen, ſehnlich vermißten und ver⸗ götterten Taglioni hörte, blos eine Stimme in ſeinem Innern antwortete:Das war der Engel in Frauengeſtalt, von welchem ich in der erſten Nacht hier träumte; ſie war es, die mir über Lilienſtengeln und Roſenbüſchen entgegen⸗ ſchwebte; ferner daß er eines ſchönen Tags, ohne Er⸗ laubniß und Abſchied von Vater und Mutter, ſich an Bord eines Dampfſchiffes begab und erſt in des großen Peters großer Stadt den Fuß an's Land ſetzte; daß er dort Tag⸗ lioni ſah und entbrannte; daß er ihr nichts mehr und nichts weniger als ſich ſelbſt anbot, dann aber, als ſie kalt und verächtlich ſeinen Antrag ausſchlug, in die Fluthen der Newa ſprang und wieder zu Eis wurde.

Erfahret ferner, daß der alte, ſohnloſe und tief zer⸗ knirſchte Vater die Fliege war, welche von der Spinne verſpeist wurde, und daß ſeine phlegmatiſche Alte zwar endlich, ſelbſt in der Nacht, nachdem man die Nachricht von Agapeti ſchrecklichem Tode erhalten, einſchlief, aber mit eisgrauen Haaren erwachte und wöchentlich um einige Pfund magerer und leichter wird; daß ferner des luſtigen, alten Barons liebe Corona eine ganz gewöhnliche, moderne Stadtpuppe wurde; daß dieſes unverdorbene, roth und weiße, fröhliche, muntere, lebensluſtige, friſche und offenherzige Weſen ſich in ein bleiches und mageres, dünnes und vor⸗ ſichtiges, ſchweigſames und zurückhaltendes Stadtmädchen der alltäglichſten Art umwandelte; ſie wurde weder eine der beſten, noch eine der ſchlimmſten, ſondern eine von den gewöhnlichen, und das war das Schlimmſte von Allem.

Seid ihr jetzt zufrieden mit dem Schluß, ihr Neugie⸗ rigen? Oder wollt ihr eine moraliſche Nutzanwendung