Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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Die alten Herren ſchwatzten jetzt von neuen und von längſt vergangenen Dingen, und der Baron ließ unauf⸗ hörlich ſein ſchönes, volles Herz hervorleuchten; er hatte alles Böſe vergeſſen, war für alles Gute, was das Leben ihm jetzt und früher geboten, dankbar gegen die Vorſehung, und bewahrte holde, frohe Erinnerungen daran; der Hof⸗ marſchall dagegen vergaß nie, in jedes ſeiner Worte einen kleinen Stein für die Plane zu legen, welche er auf des Barons und ſeiner Familie Erſcheinung in der Hauptſtadt zu bauen beabſichtigte. Die liebe Corona war ihrer Pur⸗ purlippen und Roſenwangen wegen von dem cyniſchen alten Hofmarſchall mit unſchmackhaften Küſſen bedeckt und ſo⸗ dann zu ſeinen Damen geführt worden, welche bereits Be⸗ fehl erhalten hatten, ſie mit offenen Armen zu empfangen.

Aber ach, wie wenig konnte ſich die einfache, unſchulds⸗ volle, fröhliche, lebensfriſche Corona, welche zu natürlich war, um eine Schüchternheit aufkommen zu laſſen, wie wenig konnte ſie ſich im Anfang unter dieſer künſtlichen Welt gefallen, bei dieſer ausſtudirten Tante und dieſen überbildeten drei Couſinen!

Ich verſtehe mich nicht auf dieſe Leute, war alles, was ſie ihrer Mama antwortete, welche erſt bei der Heim⸗ kehr von Gatten und Tochter erwachte, und dann gähnend die Letztere fragte, wie ſie ihre Verwandten gefunden habe.

Die Mädchen ſehen gar zu niedlich aus, bemerkte der Baron,ſchmal wie Wespen, etwas bleichſchnäbelig, ſonſt aber recht hübſch; ihre Mutter, die Baſe Roſalie, hat ſich ganz bewundernswürdig gut erhalten; aber ach, mein alter Karl Göſta! Er iſt blos noch ein ſchwaches Schattenbild deſſen, was er früher geweſen. Ich würde ihn nie wieder erkannt haben, wäre nicht die Stimme ſich gleich geblieben. Aber luſtig und angenehm iſt er, dabei ein trener, anhänglicher Freund und Verwandter, und un⸗ gemein vergnügt, daß wir einander wieder getroffen haben. Wenn er ſich aber auch nicht ſo gezeigt hätte, ſo ſollte ihn der Teufel holen!