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allen Roſen und Lilien, welche im jugendlichen Gemüthe aufblühen, die allerſchönſte.“
„Ich kenne ſchon jetzt genug von den Menſchen,“ antwortete ich,„um zu wiſſen, was ich von ihnen zu glauben habe, und meine Meinung iſt keineswegs, ſogleich von Ihnen das Vertrauen zu erlangen, welches blos die Frucht einer erprobten Freundſchaft und Ergebenheit ſein kann. Laſſen wir alſo dies bis auf Weiteres und betrach⸗ ten Sie mich nur als einen Sohn oder als den Sohn eines Jugendfreundes; erlauben Sie mir, für Ihre Ver⸗ pflegung Sorge zu tragen, zu ſehen, was Ihnen fehlt, und dem Mangel abzuhelfen, und zwar ohne alle Ein⸗ wendungen, Umſtände und Komplimente, denn ſolche haſſe ich.“
Ich muß ausgeſehen haben, als denke ich wirklich wie ich ſpreche, denn die Alte legte blos ihre magern Hände zuſammen und erhob einen thränenvollen Blick zu der niedrigen, finſtern Zimmerdecke; dann aber ſagte ſie ohne alles Zögern und indem ſie mir ſcharf ins Auge blickte:
„Nun gut, ich wünſche einen Arzt, der nach meinem Fuße ſehe, etwas Nahrung, ein Buch zum Leſen u.... ein Glas mit Blumen.“
Ich war in der That ſo entzückt über dieſe einfache Aufrichtigkeit, über das Vertrauen, das ſie auf meine Worte ſetzte, über das Glück, ein einziges Mal eine unumwundene Antwort auf eine unverblümte Frage erhal⸗ ten zu haben, daß ich die trockene, alte Hand ergriff und ſie— nicht à la Seladon an meine Lippen, ſondern an mein Herz drückte, welches in Freude ſchwamm über den lichten Sonnenſchein, den eine menſchliche Theilnahme über dieſe alten, durch Kummer und Widerwärtigkeiten verdüſterten Züge hervorrief. Sie lächelte und nickte mir zu, gerade wie einem Sohne. Ich verabſchiedete mich kurz und eilte hinweg, um ihre Wünſche zu befriedigen, was mir auch gelang, bevor die nächſte Stunde geſchla⸗ gen hatte. Seitdem beſuchte ich ſie jeden Tag, und jedes⸗


