der Anſtoß dazu immer von mir ausging. Mit wahrem Vergnügen ſah ich jetzt, daß ſie keine Ahornblätter mehr abzupfte, und ich empfand eine lebhafte Befriedigung bei dem Gedanken, daß die Blumen, welche die Tagelöhnerin ihr vielleicht angeſchafft, die Ahornblätter entbehrlich ge⸗ macht haben. Eines Abends, als meine Alte aufbrach, um nach Hauſe zu gehen, ſtolperte ſie ein wenig, ließ ihren Stock fallen und dankte mir ſehr verbindlich, als ich ihr zu Hilfe kam. Ich ging einige Schritte an ihrer Seite, ſprach ein Paar Worte mit ihr und bot ihr ſchließlich mei⸗ nen Arm, um ſie nach Hauſe zu führen, denn ich ſah deutlich, daß das Gehen ihr beſchwerlich wurde, und daß ſie ſich weit mehr als gewöhnlich auf ihren Stock ſtützte. Sie blieb bei meinem Antrag verwundert ſtehen, ſah mir ſtarr in die Augen und ſagte mit einem gewiſſen betrübten, aber feinen Lächeln:
„Ja, das würde ſchoͤn ausſehen! Der elegante junge Herr mit der dürftigen alten Frau am Arme. Nein, ich danke, mein wertheſter Herr! Um Ihrer ſelbſt und um meinetwillen, auch um den Gaſſenjungen keine unnöthige Freude zu machen, kann ich Ihr höfliches Anerbieten nicht annehmen.“
Ich verbeugte mich in der That etwas verdrießlich, denn Du weißt ja ſelbſt, Tante, daß ich mich gar nicht darum bekümmere, wie eine Sache ausſieht. Am Abend darauf vermißte ich meine Alte, Am zweiten, dritten, vierten Abend gleichfalls. Am fünften und ſechsten blieb ich ſelbſt aus, und am ſiebenten fand ſich die Alte wie⸗ derum nicht ein. Jetzt begann ich unruhig zu werden und beſchloß, meine Tagelöhnerin aufzuſuchen. Ich eilte zu dieſem Behuf abermals die ganze, lange Nordlands⸗ ſtraße hinan und die vielen dunklen Treppen hinauf. Ich fand die Thüre verſchloſſen und trotz meines Pochens und Polterns blieb alles mäuschenſtill. Jetzt faßte ich einen verzweifelten Entſchluß: ich ging unmittelbar zu der Alten ſelbſt hinab, klopfte auch da, denn die Thüre war ver⸗ ſchloſſen, und als eine Stimme fragte:„Wer iſt draußen?


