Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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Nachricht zurückkäme, der vermeintliche Patient befinde ſich vortrefflich, habe aber nicht Zeit gehabt, bei Ihro Gnaden vorzuſprechen.

Nein, nein, ich ließ ihn machen was er wollte, und ſaß inzwiſchen nicht beſchäftigungslos da, denn ich that wie König Pharao: ich ſaß und verſtockte mein Herz, und eines Abends, als dies beinahe fertig war, eines Abends es war der achte, ſeitdem mein Neffe ohne Hut auf die Straße gerast war, ein Ausdruck, den ich ſpäter öfters zu gebrauchen gedachte da höͤrte ich, ungefähr um ſieben Uhr, wie Galoſchen im Vorzimmer klapperten, wie ein Regenſchirm in die Ecke geſtellt, wie die Saalthüre geöffnet, wie der Saal durchlaufen wurde, und wie Schritte, an denen ich ſogleich meinen Neffen erkannte, dem Wohn⸗ zimmer ſich nahten. Das Alles hörte ich, aber ich rührte mich nicht von der Stelle, ſondern blieb in meiner Sopha⸗ ecke ſitzen, ſtickte verzweifelt darauf los und ließ Wellholz und Nadel aneinander klappern. Sonſt ging ich meinem Neffen jedesmal entgegen, um ihn zu bewillkommnen, jetzt blickte ich nicht eher auf, als bis er an den Tiſch gekom⸗ men war, wo ich ſaß; dann aber hielt ich die Hand vor die Augen, damit ihnen der Lampenſchein nicht wehthue, und ſagte mit ſchauerlicher Kälte:

Ei der Tauſend! Biſt Du's, Hermann?

Und nun entſtand folgendes Zwiegeſpräch zwiſchen Tante und Neffen:

Ja, allerdings bin ichs, liebe Tante, denn ich bekam Gewiſſensbiſſe, weil ich mich ſo entſetzlich lang nicht er⸗ kundigt habe, was Du machſt und was Du treibſt.

Eine ſolche Kleinigkeit muß Dein zartes Gewiſſen nicht bedrücken, antwortete ich mit abſcheulicher Gleich⸗ gültigkeit.Ueberdies weiß ich ſelbſt nicht, ob es ſchon ſo lange her iſt, daß Du da warſt. Ich merke mir ſo unwichtige Dinge nicht, und ich denke ganz und gar nicht daran, wer den Tag über kommt oder geht, fügte ich mit vieler Kälte hinzu, und ohne auch nur von, meiner Stifkerei aufzuſehen.