guten Herzen fließende Eigenſchaften... wohin haben wohl ſie ihren Weg genommen? Sie müſſen in die Erde geſunken ſein, wenn mein Neffe der edlen Taglöhne⸗ rin auf eine Art, bei der ſie es nicht abſchlagen durfte, Geld geben konnte, und zwar nicht für ſie ſelbſt, ſondern für ſeine vergötterte, garſtige, alte Mamſell, der zu Liebe er ohne Hut die halbe Straße hinab ſprang und der zu Liebe er um ein Kleines auf die Naſe gepurzelt wäre. Aber er kennt das Pulver gut genug: er weiß wohl, daß die alte Dame es nicht ſo genau nimmt, daß ſie in früheren Zeiten wohl größere Geſchenke aus jungen, männlichen Händen empfangen hat, und daß ſie ſich ſolche auch jetzt ohne den mindeſten Widerwillen gefallen läßt, indem ſie ſich dabei weit beſſer befindet als beim Wergſpinnen und Strümpfeſtricken. Pfui Kuckuck!
Ich war entſetzlich erbittert über meinen Neffen und ſeine alte Duleinea, und dieſe Erbitterung ſtieg fortwäh⸗ rend, ſelbſt nachdem ich mir vorgenommen hatte, der ganzen Lumpengeſchichte nicht einen einzigen Gedanken mehr zu widmen.
Dieſen Vorſatz zu faſſen hatte ich vollkommen Zeit gehabt; auch hätte es mir nicht an der beſten Gelegenheit gefehlt, ihn auszuführen, wenn ich, Notabene im Allge⸗ meinen den Brauch gehabt hätte, alle meine Vorſätze ins Werk zu ſetzen; denn ich hörte acht volle Tage nichts mehr von meinem Neffen, eine ſonſt unerhörte Zeit zwiſchen ſei⸗ nen Beſuchen, die er ſonſt alle zwei Tage, wo nicht täg⸗ lich, abzuſtatten pflegte.
Mit jedem Tag, den er ausblieb, wuchs mein Staunen und meine Erbitterung. Die Möglichkeit eines Unwohl⸗ ſeins ſiel mir gar nicht ein, und überdies hätte er dann ſeinen Bedienten ſchicken und es melden laſſen können. Ich beſchloß alſo, ganz wie ein verliebtes Mädchen, das ſich beleidigt fühlt und ſchmollt, mich nichts um ihn zu be⸗ kümmern, und wollte mich um alles in der Welt nicht nach ſeinem Befinden erkundigen laſſen, aus Furcht, mir das Gallenfieber anzuärgern, wenn mein Bote mit der


