Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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an mir, die ich noch immer ausſehe als ſtände ich entre deux äàges!

Ich hatte es manchmal ohne den mindeſten Verdruß mit angeſehen, daß er die Geſellſchaft ſchöner, junger Mädchen der meinigen vorzog; aber hinter dies alte Skelett zurückgeſetzt zu werden, das däuchte mich unerträglich. Ich hätte einen Augenblick Luſt gehabt, meinen Neffen zu er⸗ würgen! Und überdies dachte ich, denn ich dachte, offen geſtanden, den ganzen Abend an nichts Anderes über⸗ dies wo iſt wohl jetzt ſeine große, von ihm ſelbſt geprie⸗ ſene und bisher von mir zugeſtandene Billigkeit und Ge⸗ rechtigkeitsliebe denn ich hatte ihn bis auf dieſe Stunde als die Waagge betrachtet, an welcher die Schalen der Frau Juſtitia haͤngen wo iſt wohl jetzt all dieſer Gerechtig⸗ keitsſinn, wenn er mit ſolcher Vorliebe dieſe untaugliche alte Schachtel(die nicht einmal im Stande iſt, ſich eine Suppe zu kochen) in ein ſo glänzendes Licht ſtellen kann und dagegen über das edle und menſchenfreundliche, wenn auch rohe und ungebildete Benehmen der wackeren Tag⸗ löhnerin wegſieht, die ſich ihren Speck und ihre Kartoffel im Schweiß ihres Angeſichts kochte, bei vornehmen und geringen Leuten mit demſelben Waſſer ſcheuerte, und den⸗ noch von ihrer koſtbaren Zeit und ihrem mühſam erwor⸗ benen Lohne noch etwas erübrigte, um damit der faulen, genialen und egoiſtiſchen Mamſell zu helfen; denn mein Neffe hatte mit keinem Wort angedeutet, daß ſie kränklich ſei, ſondern blos, daß ſie von des Lebens Proſa geplagt werde, eine Redensart, welche bald genug auf alle wirk⸗ liche Tüchtigkeit angewandt wird. Ich gerieth in einen wahren Enthuſtasmus über die Taglöhnerin, und dieſer wuchs mit jedem Augenblick in gleichem Verhältniß wie mein Mißvergnügen über den ungerathenen Neffen.

Und wo iſt wohl ſeine Delikateſſe, ſein Zartgefühl, ſein feines Bewußtſein für das, was Andere empfinden koͤnnen? dachte ich weiter. Wohin haben wohl dieſe bei einem jungen Mann ſo ungewöhnliche, nur aus zwei herrlichen Quellen, einem guten Kopf und einem