Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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meiner Beharrlichkeit,es thut mir ſehr leid, daß ich dieß⸗ mal Ihre Unterſtützung entbehren muß, die mir ſo ſehr gerühmt worden iſt, aber vielleicht bin ich ein andermal glücklicher. Könnten Sie mir nicht eine Perſon angeben, die ſich in der Eile finden ließe? Auf eine Empfehlung von Ihnen würde ich großes Gewicht legen. Iſt Niemand im Hauſe hier? Ich ſah eine alte Frau in braunem Mantel und ſchwarzem Hut hereingehen. Wer iſt ſie? Könnte nicht ſie....

Hier ſiel mir die Frau von Neuem heftig in die Rede und rief:

Sie! die alte Mamſell! Sie ſcheuern! Nein, das hat ſie wohl ihrer Lebtage nie gethan! Sie ſcheuert nicht einmal ihre eigene Kaffeepfanne, außer wenn ſie ſo ſchwarz iſt wie Ruß, und da muß ich ihr noch jedesmal helfen. Es iſt genug, wenn ſie ihr eigenes Zimmer fegt, aber das thut ſie doch, nur damit ſie Ordnung hat.

Was iſt es für eine alte Mamſell? fragte ich, etwas verwundert darüber, in der Alten nicht eine Frau zu finden, die unglücklich verheirathet geweſen, an ihren Kindern viel Kummer erlebt habe und dergleichen, denn in dieſer Richtung ungefähr hatte ich bereits ein langes Drama oder Trauerſpiel zu Faden geſchlagen.

Ja, Gott weiß, was das für Eine iſt, antwortete die Frau, welche jetzt auch Luſt zu haben ſchien, die Un⸗ terhaltung fortzuſetzen; ob ſie dies aus Schwatzluſt wollte oder um ſich meine künftige Kundſchaft zu ſichern, das konnte ich in der Dunkelheit aus ihrer Phyſiognomie nicht abſehen.Sie wohnt ſeit mehreren Jahren ſtill und ein⸗ gezogen im Hauſe, fuhr die Frau fort,aber von ihrer Jugend, wie überhaupt von der Zeit, ehe ſie ſich da ein⸗ miethete, ſpricht ſie niemals. Sie iſt entſetzlich arm, ſie lebt von einer ganz kleinen Rente und kann ſchlechterdings nichts thun, um ſich fortzubringen. Zwar ſtrickt ſie Strümpfe, aber das geht ganz abſcheulich langſam, denn ſehen Sie, ſie muß immer zugleich leſen, und da vergißt ſie den gan⸗ zen Strumpf, laͤßt die Maſchen fallen, ſitzt dann ſtunden⸗