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geworfen hatte, nebſt einer kleinen Nelke, welche ſie von
den Blumen des Kindes genommen. Was ſich weiter noch
im Zimmer vorfand, konnte ich bei der Dunkelheit nicht
ſo genau unterſcheiden, im Uebrigen ſchien es nichts anderes
zu ſein als ein Bett, ein Schrank und etliche Stühle, was
Alles ich noch nicht genau hatte beaugenſcheinigen können, als ich langſam genug folgende Antwort auf die Frage der Alten hervorſtammelte:„Ich ſuche eigentlich eine... eine... eine Madame, von der man mir geſagt hat, daß ſie hier irgendwo wohne.“
„Wie heißt ſie?“ fragte die Eigenthümerin des Zim⸗
mers artig und dienſtbefliſſen.
„Sie heißt.... ei, wie war es doch 2... Ja, richtig... Madame Anderſſon,“ brach ich endlich heraus, indem ich Namen und Perſon aus der bloßen Luft griff.
„So, ſo,“ antwortete meine Alte;„Madame An⸗
derſſon wohnt nicht hier, ſondern drei Treppen höher, und ich glaube, daß ſie zu Hauſe ſein wird.“
Damit machte ſie eine Bewegung, gleich als wollte ſie mir den Weg weiſen, und ich... dankte und ging, mit dem Vorſatz, das Uebrige dem Ungefähr zu überlaſſen. Ich tappte alſo wirklich die bezeichnete drei Treppen hinauf,
kam auf eine garſtige, kohlſchwarze Flur, klopfte der An⸗
weiſung zu Folge an eine Thüre rechts und erhielt folgende
Zurechtweiſung von einer groben, barſchen Weiberſtimme: „Mein Gott, für was ſtehen Sie da und lungern herum,
wenn die Thüre doch offen iſt? Treten Sie nur herein!“ Und ich trat hinein, obſchon mehrere Sinne ſich dawider
ſträubten. Dieſes Zimmer war noch dunkler als das meiner
ehrlichen Alten, aber ich entdeckte gleichwohl ſogleich eine
gräuliche Unſauberkeit und Unordnung. Im Kamin glüh⸗ ten einige Kohlen, und vor demſelben lag ein widerliches Weib, welches dieſe Kohlen anblies, und eine Bratpfanne mit dunſtigem und ranzigem Speck darüber hielt.
„Was veliebt?“ fragte ſie in rauhem Tone.„Wen ſucht der Herr? Was ſoll es ſein?“ Dieſe Fragen ſtellte


