Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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drehte ſich niemals um, konnte daher auch nicht ahnen, daß ſie ihren jungen Verfolger ſo nahe hätte. Sie ging die ganze lange Straße hinab und bog endlich in eine Quergaſſe rechts ein, ſo daß ich meine Schritte beſchleunigen mußte, damit ſie nicht zu irgend einer Hausthüre hinein⸗ gehen möchte, ohne daß ich ſie bemerkte. Gleichwohl wäre mir dies beinahe geſchehen, denn gerade verſchwand der letzte Zipfel ihres braungelben Mantels in einem unan⸗ ſehnlichen Thorgange, als ich um die Ecke kam, und ich konnte nur noch ſehen, wie ſie über einen ſchmalen, unfreundlichen Hofweg zu einer kleinen dunkeln Thüre hineinging.

Wirſt Du mir wohl glauben, daß ich dem Verlangen nicht widerſtehen konnte, ihr nachzugehen? Bald ſtand alſo auch ich an dem dunklen Eingang und glaubte zwar Niemand zu hören, der die elende Holztreppe hinaufgehe, wohl aber eine Thüre, die auf dem untern Boden verſchdſſen wurde. Ich beſchloß zu recognosciren, ging daher in die ſchwarze Hausflur hinein und pochte an eine kleine, ſchwarze Thüre, aber ſie war verſchloſſen, und Niemand antwortete oder öffnete. Ich ging weiter, pochte an eine andere Thüre und ſchloß ſie auf, als ich den Schlüſſel ſtecken ſah. Ich hatte recht gerathen, denn meine arme Alte, die kaum ihren alten Mantel und Hut hatte ablegen können, kam mir jetzt ſelbſt entgegen, und vermuthlich kannte ſie mich in der ſchon etwas dunklen Dämmerung nicht mehr, denn ſie fragte in ganz fremdem Tone:Wen ſuchen Sie, mein Herr? Jetzt war ich gefangen. Während ich auf eine Antwort ſann, ſah ich mich ein wenig im Zimmer um, denn ich ſtand auf der Schwelle und hatte folglich das Ganze vor mir. Es war finſter und düſter, dürftig aber gut aufgeputzt und geordnet. Im Fenſter ſtanden ein Paar kleine Töpfe mit lebendigen Blumen, und auf dem Tiſch vor demſelben lagen die Handſchuhe, das Buch, das blaugeſtreifte Nastuch daneben ſtand ein Glas Waſſer, in welches meine Alte bereits die friſchen Ahornblätter

Skizzen von Frau A. von Knorring. I. 2