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ich ſprang auf, meine Alte gleichfalls, und ſo kamen wir bei dem kreiſchenden Kinde zuſammen; aber dies Alles war das Werk einer einzigen Sekunde. Die Alte hob das Kind auf, ich gab dem gedankenloſen, gleichgültigen und unachtſamen Mädchen, deſſen Geſellſchafter ſich ſogleich entfernte, einen tüchtigen Verweis. Meine Alte nahm ihr blaugeſtreiftes Nastuch, das ganz rein, obſchon grob und zerriſſen war, trocknete das blutende Kind damit ab, ſprach zärtliche und freundliche Worte zu dem kleinen Würmchen, und ſagte zu dem Mädchen in einem, wenn auch nicht gerade befehlenden, ſo doch überlegenen Tone, es ſolle Waſſer holen. Ei, ich kann von dem Kinde nicht weg⸗ gehen und darf es nicht bei fremden Leuten laſſen, ant⸗ wortete die Magd etwas trotzig. Ich wurde ärgerlich und ſagte: Iſt es wohl beſſer, wenn Du das arme Kind ſo umherführſt, daß es ſich ſtößt, und dann daſtehſt und zuſtehſt wie andere kluge und ehrliche Leute es pflegen? Das Mädchen ging beſchämt und murrend. Du armes Kind, dachte ich, aber... wie kam es wohl, daß ſich die Sache gerade hier und gerade jetzt zutragen mußte? Denn dadurch bekommt das Kind Hilfe, und ich kann mit meiner Alten in Berührung kommen. Aber auch dieſer Gedanke war pfeilſchnell und nahm nicht den vierten Theil der Zeit weg, welche nöthig iſt, um darüber Bericht zu erſtatten.
„Die armen Kinder, die von den Dienſtboten ſo ver⸗ wahrlost werden!“ ſagte ich, um nur auf irgend eine Art ein Geſpräch anzufangen.
„Und die armen Mütter, wenn ſie immer wiſſen könnten, wie ſchlecht ſie dabei berathen ſind,“ antwortete die Alte.
„Ja, dann würden ſie gewiß ihre Kinder ſelbſt hüten,“ bemerkte ich.
„Gott weiß,“ erwiderte die Alte, indem ſie zweifelhaft den Kopf ſchüttelte,—„ſie haben zu viele andere Sachen zu thun und an zu viele andere Dinge zu denken.“
„An andere Dinge!“ antwortete ich.„Und welche andere Dinge könnten wohl wichtiger ſein?“


