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„Ach, das kann Dich doch nicht intereſſiren, Tante,“ antwortete er jetzt, holte ſodann tief Athem und begann von etwas Anderem zu ſprechen.
Ich hörte zwar auch auf dieſes Andere, aber ich enee nicht darauf, ſondern ſagte nach einer kleinen
auſe:
„Vermuthlich eine alte, treue Dienerin aus Deiner Eltern Haus?“
„Ach nein, liebe Tante!“
„Eine Verwandte von irgend einem ſchoͤnen Mädchen?“
„Noch weniger, liebſte Tante!“
„Nun, ſo will ichs auch nicht wiſſen,“ ſagte ich mit einigem Verdruß, den ich ſowohl verbergen als zeigen wollte.
„Ich glaube wahrhaftig, Tante, Du biſt neugierig und beleidigt zugleich,“ ſagte mein Neffe und lachte ganz verwundert auf.„Das habe ich früher nie bemerkt,“ fügte er hinzu,„und wenn Du nun auch noch ein wenig laudefſüchng biſt, ſo biſt Du... eine ächte und gerechte
ante.“
„Ach nein, liebes Kind,“ antwortete ich und lachte gleichfalls,“ ich bin keines von beiden; aber ich kann es nicht läugnen, daß ich mich ein wenig über Dich wundern mußte. Du haſt mir alle Deine gegenwärtigen und früheren Verhältniſſe, ſowohl zu jungen Frauenzimmern als auch zu andern Menſchen bis auf die kleinſten Einzelheiten erzählt, und nun willſt Du auf einmal aus Deiner Be⸗ kanntſchaft mit einer armen ſiebenzigjährigen Frau ein Hehl machen; denn dafür halte ich ſie und gewiß mit allem Recht, da wohl Niemand ſein Alter und ſeine dun zur Schau tragen wird, wenn es ſich vermeiden äßt.“
„Nun gut,“ verſetzte mein Neffe lächelnd,„ſo will ich Deine Neugierde zufrieden ſtellen, denn obſchon dieſe im Allgemeinen, beim Vergleich mit andern Frauen und Tanten nur gering iſt, ſo würde ſie doch ohne allen Zweifel ſehr bedeutend anwachſen, wenn ich nicht ſogleich von


