Teil eines Werkes 
[2. Theil] (1851)
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455 Geſellſchaft Verhältniſſe geben, die eine rechtmäßige Ehe verhindern?

So hören Sie, ehe Sie urtheilen, ſagte Sabine und ſetzte ſich an die Wiege ihres Mädchens, das un⸗ gewiegt nicht ſchlafen wollte. Und nun erzählte ſie kurz, aber mit der beredten Zunge der Erfahrung, ihr grenzenloſes Unglück. So ſtehts, Madame, ſchloß ſie ihren Bericht. Ich bin kein Mädchen und keine Frau. Nur Eins fürchte ich ſehr, daß ich vielleicht ſchon jetzt eine Wittwe bin. Mein Mann läßt nichts aus dem Felde hören, es geht mit unſerer Sache alle Tage ſchlech⸗ ter, und wir ſind verloren ſo oder ſo; entweder wird er getödtet oder er muß in die Fremde, Gott weiß wie lange! Nun richten Sie, gnädige Frau, wie Ihr Gewiſſen ſpricht!

Mit dieſen Worten ſtand Sabine auf, da das Kind jetzt feſt ſchlief, und wollte die Stube verlaſſen. Die Dame aber kam ihr zuvor, bot ihr die Hand und ſprach: Verzeihen Sie mir, Frau, ich habe gegen Sie mich ver⸗ fehlt zwar nur mit einem Blick, aber ich habe mich ſchwer verfehlt. Sind Sie mit dieſer Abbitte zufrieden?

Sabinens naſſe Augen dankten der Matrone für dieſes herzliche Wort, und dieſe redete weiter: Wieviel ſagten Sie betrage die Summe, die Sie brauchten, um Bürger zu werden?

Hundertfünfzig Gulden, antwortete Sabine.

Eine Ahnung von der Selbſtverleugnung, die ihrem Sohne das Leben gerettet hatte, ging erſt jetzt wie ein Licht in den Gedanken der Mutter auf. Mein Sohn,