Teil eines Werkes 
[2. Theil] (1851)
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449 Eine tiefe Ruhe lag über dieſer friedlichen Einſamkeit, man hörte nur das Summen der Bienen, dann und wann durch das zornige Brummen einer Hummel unter⸗ brochen, die in den Weinblättern ſich verfangen hatte. Zuweilen tauchten auch aus dem Bohnenfelde die hellen Töne von Sabinens Schweſtern hervor, welche dort Bohnen brachen. Zweiſtimmig ſangen ſie die unſterb⸗ lichen Lieder, in welche unſer Volk ſein ganzes tiefes Gefühl ausgegoſſen hat:Zu Straßburg auf der Schanz, und:Es ſtehen drei Stern am Himmel, und:Muß i denn, muß i denn zum Städtli naus es waren die letzten Reſte des muſikaliſchen Unterrichts, den ſie in ihrer Jugend vom Vater, dem böhmiſchen Muſikanten, erhalten hatten; aber in dieſer Naturſtille griffen die einfachen Klänge dieſer glockenreinen Stimmen tiefer ans Herz, als es die feinſten modernen Notturnen auf einem Erard'ſchen Flügel vermocht hätten. Wohl war dieß eine Umgebung, in der ein Kranker geneſen konnte!

Am Bette des jungen Offiziers, der noch im Mor⸗ genſchlaf ruhte, ſaß ſeine Mutter, eine hohe adliche Frau mit dem Ausdruck mütterlicher Güte und vor⸗ ſorgender Milde in ihren Zügen. Sie war auf Valen⸗ tins Brief augenblicklich mit der Schnelle, die jetzt Eiſenbahn und Dampfboot dem ſehnenden Herzen ge⸗ währen, herbeigeeilt, und fand den Sohn in dem Augen⸗ blick, als er neun Tage nach dem Gefecht die Phantaſien des Wundſiebers eben überſtanden hatte und zum erſten⸗ mal wieder mit Bewußtſein um ſich ſah. Sein erſter Kinkel, Erzählungen. 29