Teil eines Werkes 
[2. Theil] (1851)
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Die Stunde weiß ich nicht, aber der Mond, der eben über den Berg kam, hatte mich geweckt; es wird gerade eine Viertelſtunde nach ſeinem Aufgang geweſen ſein.

Valentin ſchauderke. Es war dieſelbe Minute, als er Sabinen drunten beim Neckar am Saume des Korn⸗ feldes mit betend erhobenen Händen knien geſehn, als der jähe Gedanke an ihren Schmerz ſeine Hand vor einem Morde bewahrt hatte. Er wagte nicht, ihr die Thatſache zu geſtehen, ſondern küßte ſie nur gedanken⸗ voll auf Mund und Stirn. Als er aber weit genug von ihr entfernt war und ihre letzten Winke zwiſchen den Obſtgärten hindurch aufgefangen hatte, da warf er ſich auf den thaufeuchten Raſen und weinte wie ein Kind. Es waren Thränen der Reue zugleich und Thränen der

Freude, daß die furchtbarſte Verſuchung ſeines Lebens

ihn zwar ſchwach gefunden, aber nicht überwältigt hatte.

Ein ſchöner Julimorgen glänzte in das kleine Hin⸗ terſtübchen von Mutter Wlaska's Hauſe. Durch das offene Fenſter zog friſch der Oſtwind herein und ſpielte mit den Weinblättern, die durchſichtig in der Sonne glänzten. Vor dem Fenſter lag ein mit einigen Obſt⸗ bäumen beſetzter Grasfleck, wo die Ziege weidete; da⸗ hinter, durch eine Hecke getrennt, das Gärtchen mit den hohen Bohnenſtangen und den reinlichen Beeten voller Küchengewächſe; rechts hatte in einem umhegten kleinen Hofraum das Federvieh ſeinen Tummelplatz

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