pochte er an das Kammerfenſter, und Sabine trat ganz angekleidet mit der erſchreckten Frage: Wer da? ihm entgegen. Das Haus war raſch geöffnet, die Trag⸗ bahre und das blutige Stroh im Ziegenſtalle unter⸗ gebracht; den Verwundeten empfing die Mutter Wlaska und ließ ihn zuvörderſt ohne Weiteres auf den Tiſch der Wohnſtube niederlegen. Man brachte Licht; die Zigeu⸗ nerin beſichtigte flüchtig ſein Antlitz und ſeine Wunden, griff nach ſeinem Puls und hielt die Hand vor ſeine Lip⸗ pen. Dann ſagte ſie zu ihrer älteſten Tochter: Raſch die Brieftaſche mit den Meſſern, Wlaska, einen Eimer kaltes Waſſer aus dem Börnlein und den Lebensſpiritus!
Das Verlangte ſtand da. Jetzt gebot ſie kurz und beſtimmt: Alle drei Mädchen aus der Stube, Valentin bleibt allein bei mir. Wlaska, Du machſt heißes Waſſer in der Küche. Sabine, du zerſchneideſt mein Braut⸗ leinen, es iſt das feinſte im Hauſe, zu Bändern ſo breit wie Deine Hand. Aus einem Deiner Kopftücher machſt Du zwei große Handvoll Wieken. Alsdann zwei reine Leintücher auf Dein Bett drin in der Hinterſtube. Du, Ludmilla, gehſt auf die Bodenkammer und beteſt, daß die heilige Muttergottes mir eine gute Hand gibt zu dieſer Stunde, und fährſt damit fort, bis die Sonne aufgeht. Keine von Euch kommt in die Stube, bis Valentin ſie ruft. Hinaus jetzt und raſch Eure Sachen gethan! So, Valentin, jetzt riegle die Thür und paß wohl auf: thue nichts mehr und nichts weniger, als was ich Dir befehle.


