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Der Sinn des Mädchens iſt weich und auf alles Milde gewendet, ſo lang es jung bleibt. Schwindet dieſer frühe Duft von ihm, erwacht der ſchärfer ſon⸗ dernde Verſtand, ſo wird das Weib, weil ſein Denken meiſt keine edeln und großen Stoffe ergreift, kleinlich, perſönlich⸗beobachtend, und leicht herb, bösartig oder gemein. Iſt aber jener anfänglichen Wärme ein Ge⸗ danke geboten, iſt dem Kinde eine Zahl mächtiger Per⸗ ſönlichkeiten bekannt geworden, dann erhält ſich an dieſen Erinnerungen die Jugend des Geiſtes und des Gemüthes, das reifende Denken ſinkt nicht in's Kleine, Alltägliche hinunter, und die ganze Hingabe, die in der weiblichen Natur liegt, wird zur Nachahmung jener großen Menſchen und ihrer reinen Thaten. Solch ein Weib wird ſtärker in ſeinem feſten Willen, aufopferungs⸗ fähiger für die erkannte Pflicht und ausdauernder in ſeiner Lebensaufgabe, als der kräftigſte Mann.
Margret lernte aus der Geſchichte, was zu allen Zeiten wenig Weiber begreifen, daß die Pflicht mehr iſt als das Gefühl, der Beruf wichtiger als die Neigung. Das gab ihr in Allem, was ſie that, auch im Kleinſten, eine Macht des Willens, die bei andern Frauen zum widrigen Eigenſinn geworden wäre. Sie aber hatte Erkenntniß genug, nur an das ihren Willen zu ſetzen, was eines Willens werth war. In allem Uebrigen blieb Margret ein Kind vom Land gleich allen andern Dorfmädchen. Zwei Frauen des Dorfes, die Küſterin und die Wundärztin, gaben ihren Töchtern, als dieſe


