Teil eines Werkes 
[2. Theil] (1851)
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Leid und Ermattung, empfand ihren Gang nicht mehr und hörte gleichgültig den Schlag der Wanduhr, der ihren Wandel verkündigte.

Gegen Morgen ging der Odemzug des Kindes ruhi⸗ ger, die Händchen wurden kühler, die Adern der Stirne begannen leiſer zu ſchlagen und die Augdeckel zogen ſich feſter zu. Sie wußte jetzt aus der Erfahrung dreier ſchrecklichen Wochen, daß ihr das Kind wieder auf Einen Tag geſchenkt ſei. Noch einmal legte ſie, das Köpfchen ſanft aufhebend, ein feuchtes Linnen unter. Dann ſetzte ſie ſich beiſeits ans Fenſter, lehnte den Kopf auf die aufgeſtützten Hände, hielt die heiße ſchmerzende Stirn an die gefrornen Scheiben und ſah mit den verwachten verweinten Augen in die troſtloſe Schneenacht hinaus, die der Mond in ihrer ganzen lautloſen Erſtorbenheit noch blaſſer und leichenhafter malte.

Und nun, da keine äußere Thätigkeit und Sorge ſte mehr zerſtreute, erwachte ihr inneres Auge. Ihre ganze Vergangenheit lief in raſchen Bildern vor ihr vorüber, jede frühere Luſt, jeder vergangene Schmerz bohrte ſich tief und wühlend in ihre müde Seele ein, und alle dieſe kämpfenden Erinnerungen führten ſie zu⸗ letzt wieder zu ihrer Gegenwart, zu ihrer gräßlichen Verlaſſenheit, zum Sterbebett ihres ſchönen Kindes.

Margret war das Kind begüterter Eltern aus einem benachbarten großen Dorfe. Ihr Vater hatte unter Napoleon gedient, viele Länder geſehen, und mit dem