Teil eines Werkes 
7.-9. Bdchen (1846)
Entstehung
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184 ſie.Das Blut aller dieſer elenden Sklaven wiegt nicht einen Tropfen von dem auf, welches in ſeinen Adern floß. Wer iſt mehr dazu verpflichtet, ſeinen Tod zu rächen als ſeine Frau? Ich habe nichts zu fürchten. Haltet mich nicht von dem heiligen Werke ab.

Sie riß ſich los und ſtürzte ſich von Neuem auf den Feind. Karl jedoch, der ihr gefolgt war und der nicht gegen ſeine Landsleute fechten mochte, blieb an ihrer Seite und deckte ſie gegen die Streiche, die nach ihr⸗ geführt wurden; bis endlich der Zorn in ihm aufbrauſte und er die Streiche ſelbſt mit Intereſſe wieder zurückgab. Selem ſah, daß alles vergebens geweſen wäre, ſie zurückzuhal⸗ ten, und Alle mußten nun ihre äuzerſte Energie anwen⸗ den, um den friſchen Angriff zurückzuſchlagen. Als die Boote ſich ſchnell der Küſte näherten, ſprangen die feindlichen Soldaten, die durch das Schickſal ihrer Ka⸗ meraden und durch das Aufmuntern ihrer Offlziere in die verzweifeltſte Wuth gebracht waren, mit ihren bereits aufgepflanzten Bajonetten ins Waſſer und griffen die Tſcherkeſſen an. Aber die thätigen Hochländer bekämpften ſte wie vorher, ſie ſprangen zwiſchen die Bajonette hinein und ſtießen ihre Gegner mit ihren kurzen Schwertern nieder.

Die Entſcheidung des Kampfes war jedoch immer noch im Zweifel; denn an einer Stelle, die weniger hart⸗ näckig vertheidigt worden war, waren mehrere Boote auf einmal gelandet, und es war ihnen gelungen, ihre Truppen ans Land zu bringen, wo ſie ſich formirten und die Tſcherkeſſen in der Flanke ſo muthig angriffen, daß Selem zu fürchten anfieng, ihre heldenmuüthige Ver⸗ theidigung ſey nutzlos geweſen. In dieſem kritiſchen Augenblick hörten ſie abermals ein lautes Kriegsgeſchrei hinter ſich, und als Selem ſich umwandte, ſah er ſeinen Vater an der Spitze einer Bande aus dem Walde her⸗ ausbrechen und über den Sand herbei galoppiren. Es wurde nun ein friſcher verzweifelter Angriff auf die