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in Stücke gehauen, denn die Vertheidiger waren zu ſchwach an Zahl, um verſuchen zu können, Gefangene zu machen. Als die Ruſſen den verzweifelten Stand der Dinge ſahen, ließen ſie alle Boote von den Kriegs⸗ ſchiffen ſowohl als von den Transportſchiffen ins Waſſer und füllten ſie mit Truppen, um den bereits ins Gefecht verwickelten Hülfe zu ſenden; die Briggs fuhren zu gleicher Zeit ſo nahe ans Ufer, daß ihre Kiele ſtrandeten. Dieſe Schiffe eröffneten über die Köpfe ihrer eigenen Leute weg ein mörderiſches Feuer auf die Ver⸗ theidiger des Landes. Die Tſcherkeſſen waren viel zu eifrig und thätig, als daß dieſes Manöver von großem Nutzen hätte ſeyn können. Sie ſtürzten ſich auf ihre Feinde im Augenblick wenn ſie anlamen, giengen ihnen ſelbſt ins Waſſer entgegen und fochten bis an die Bruſt im Waſſer ſtehend, ſo daß das Feuer der Schiffe gleiche Verheerung auf beiden Seiten anrichten mußte. Die Ruſſen ſahen nun ein, daß es klüger von ihnen geweſen wäre, mit dem Anfange des Feuerns zu warten bis alle ihre Feinde am Ufer verſammelt waren; nachdem dann ihre Kanonen auf die Haufen der Tſcherkeſſen geſpielt gehabt hätten, hätten ſie unter dem Schutze derſelben ohne Beläſtigung ihre Boote ans Land ſchicken können. Wie ſie es gemacht hatten, waren ſie furchtbar zuſam⸗ mengehauen worden, ohne mit Erfolg landen zu können. Sie verſuchten nun, ihren Fehler durch Aufopferung ihrer ei genen Leute zu verbeſſern; dieß machte ihnen nichts, wenn ſie nur zuletzt guten Erfolg hatten.
Nachdem Selem mehrere, die ihm eben gegenüber geſtanden waren, niedergemacht hatte und ſich umwenden konnte, um zu ſehen was vorgieng, erblickte er Zara mitten im dichteſten Gefecht, ihr Gefolge aufmunternd und ſelbſt zum Angriffe führend; er eilte in größter Beſorgniß um ihre Sicherheit gegen ſie hin und ſuchte ſie von dieſer blutigen Scene zu entfernen.
„Glaubt Ihr, das Leben meines Gemahls fordere nicht auch irgend ein Opfer von meiner Seite?“ rief


