Teil eines Werkes 
7.-9. Bdchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

171 Es herrſchte ein tiefes feierliches Stillſchweigen, als die irdiſchen Ueéberreſte des jungen, wackeren, lieben⸗ den Alp in das enge zu ſeiner Aufnahme bereitete Grab geſenkt wurden. Als der Leichnam ſeine letzte Ruhe⸗

ſtätte erreichte, wurde dieſes Stillſchweigen durch die

Seufzer der Mutter und der Frauen, welche ſie beglei⸗ teten gebrochen. Selbſt abgehärtete Krieger, die nie einen Gedanken oder nur Traum von Furcht hatten, und gegen alle zarteren Sympathien unſerer Natur geſtählt ſchienen, wurden bis zu Thränen gerührt. Als die erſte Handvoll Erde auf den nicht eingeſargten Leichnam ge⸗ worfen wurde, knieten alle Anweſenden um das Grab herum nieder, und der alte Barde betete mit erhobenen Händen für die Seele des dahingeſchiedenen, jugendlichen Kriegers. Dann ſtimmte die ganze Geſellſchaft in ein Gebet für die ſchnelle Verſetzung derſelben in die Reiche Glückſeligkeit ein. Der ehrwürdige Alte erhob ſich nun wieder und wandte ſich mit tiefer, feierlicher Stimme an ſeine Gefährten.

Männer der Atteghei! Ein neues Opfer wurde der Feindſchaft der verhaßten Ruſſen gebracht; ein Opfer, welches des Altares der Freiheit wohl werth iſt; denn wer iſt tapferer, wer edler, als er es war? Er war ſanft wie ein Lamm im Frieden, kühn wie ein Löwe im Krieg, geliebt von ſeinen Freunden, gefürchtet von ſeinen Feinden; wer iſt hier, der ihn nicht liebte? Wer hätte nicht gern ſein Leben durch das eigene geſchützt? Warum wurde er uns denn entriſſen, in der Blüthe ſeiner Jahre erſchlagen? Warum, meine Landsleute? Weil der edelſte Altar das edelſte Opfer verlangt, und welcher Altar iſt edler als der Altar der Freiheit und wo ein geeigneteres Opfer als das, um welches wir trauern?

Sein Loos und ruhmvoll und glücklich. Schon jetzt ſteigt ſein Geiſt in die Reiche der Glückſeligkeit, während wir, immer noch an unſere ſterblichen Ketten gefeſſelt, ſeinen Verluſt betrauern. Aber immer müſſen noch viele, viele Opfer gebracht werden, ehe unſer Land